Nach vier Alben, diversen internationalen Tourneen, einer eindrucksvollen Fanschar, überwältigenden Kritiken in über 100 Presseartikeln und der Zusammenarbeit mit dem Weltklasseproduzenten Steve Lyon (The Cure, Depeche Mode, Paul McCartney) startet der norwegische Sechser GAZPACHO mit seinem neuen Album „TICK TOCK“ im Frühjahr 2009 durch.
„Classical post ambient nocturnal atmospheric neo-progressive folk world rock“ beschrieb ein offensichtlich überwältigter Kritiker die Musik der norwegischen Band Gazpacho. Was er sagen wollte: Diese Band ist zu groß für eine einzige Schublade.
Seit ihrem Debütalbum „Bravo“ im Jahr 2003 haben sich die Norweger um Sänger Jan-Henrik Ohme vor allem durch Internet-Promotion und Mund-zu-Mund-Propaganda europaweit eine beachtliche Fangemeinde erspielt. Als Support von Marillion auf der „Marbels“-Tour spielten sie 2004/2005 vor mehr als 30 000 Menschen – ein so großer Erfolg, dass die Briten ihre norwegischen Kollegen für ihr Label „Intact Records“ gewannen, wo 2005 „Firebird“ und 2007 das Konzeptalbum „Night“ veröffentlicht wurden. Letzteres wurde von der europäischen Kritik euphorisch gefeiert. Der Nachfolger „Tick Tock“, die Interpretation des Romans „Wind, Sand und Sterne“ von Antoine Saint-Exupery, erscheint jetzt bei HWT/Sony Music, die Band stellt ihr neues Album auf einer ausgiebigen Europatournee im März und April vor.
Am 29. Dezember 1936 geht ein Flugzeug in der ägyptischen Wüste
nieder. An Bord ist der französische Schriftsteller Antoine Saint-Exupery.
Sein geplanter Rekordflug von Paris nach Saigon endet um 2.45 im endlosen Sandmeer
der Sahara. Fünf Tage dauert sein Marsch durh die Wüste, am Ende ist
es nur noch ein Taumeln zwischen Fata Morgana und monotoner Realität. Sein
Buch „Wind, Sand und Sterne“ ist ein Klassiker, die Interpretation
der norwegischen Band
Gazpacho das spannendste und gehaltvollste Album des Frühjahrs.
Vom drangvollen Aufbruch über den Weg durch die Sahara bis zur Rettung
entfaltet „Tick Tock“ das Portfolio menschlicher Gefühle: Euphorie,
Verzweiflung, Trotz, Todesangst und Demut. Das Ticken der Uhr, Titel gebend
und rhythmisches Grundmotiv des Albums, ist gleichzeitig Herzschlag und Symbol
für die ewige Gleichförmigkeit der Wüste, lediglich unterbrochen
von flirrender Luft und dem unendlichen Firmament über dem verzweifelnd
Wandernden: Wind,
Sand und Sterne.
Ein Album mit so hohen Ansprüchen, angelehnt an einen zeitlosen Klassiker und dem ständigen Vorwurf ausgesetzt, das schon vor Jahrzehnten ins Nirwana gerittene Genre des Konzeptalbums wieder beleben zu wollen, kann nur komplex sein. Tatsächlich erschließt sich die ganze Tiefe und– ja – die komplette Schönheit von „Tick Tock“ erst nach dem zweiten oder dritten Hören. Wer sich die Zeit nimmt, entdeckt aber im extrem facettenreichen Gesang von Jan-Henrik Ohme und seinen Mitstreitern eine Qualität, die es mit den großen Alben von Radiohead, Sigur Ros oder Muse aufnehmen kann. Mäandernde Melodien spiegeln flirrende Hitze wieder, die arabischen Einflüsse zielen auf kollektive Erinnerungen an die endlose Weite der Wüsten, um sich gleich wieder in fordernden, fast aggressiven Passagen aufzulösen. Die Grenze, an der „Tick Tock“ noch in den Kopf zielt, löst sich fast unmerklich in ein intuitives Musikerlebnis auf, wie man es in den vergangenen Jahren selten gehört hat. Auf dem Weg der Modernisierung des Genres „alternative rock“ haben Gazpacho einen großen Schritt getan.
Nach fünf Tagen stößt Saint-Exupery, dem Tode näher als dem Leben, auf eine Beduinenkarawane: die Rettung und gleichzeitig Abschied aus einer unwirklichen Welt, die ihn nie mehr losgelassen hat. „Winter is never“ bildet den Schlusspunkt des Albums (und wird als erste Single ausgekoppelt), ein nachdenklicher Kontrapunkt zum ungestümen Opener „Desert Flight“. Eine Reifeprüfung ist bestanden, auch für die Band, die sich mit „Tick Tock“ in die allererste Reihe intelligenter Rockgrößen katapultiert. Andere Genre-Bands hätten der Versuchung wohl nicht widerstehen können, wenn schon Saint-Exupery, dann den „Kleinen Prinz“ zu vertonen.